Mit voranschreitender Urbanisierung bei gleichzeitiger Zersiedelung wächst das Verkehrsaufkommen – gerade aufgrund alltäglicher Wege zur individuellen Versorgung mit Waren. Städte und Ballungsräume stehen vor besonders großen Herausforderungen. Hier verdichtet sich das Verkehrsaufkommen auf engstem Raum, was häufig zum Stillstand führt. Personen und Güter kommen nicht schnell genug ans Ziel. So wird auch die Neugestaltung der Nahversorgung im urbanen Raum zu einem dynamischen Innovationsfeld. Denn auch das starke Wachstum des E-Commerce führt nicht etwa zu weniger Versorgungswegen. Im Gegenteil: Er erzeugt ein massiv steigendes Sendungsaufkommen und damit neue Anforderungen an die Handelslogistik und an Paketdienstleister, die mehrfach, dezentraler und in kleineren Mengen ausliefern müssen. Der Online-Handel mündet auch keineswegs in der vollständigen Verdrängung stationärer Geschäfte. Der stationäre Handel investiert vielmehr hohe Summen in den Ausbau des Online-Standbeins, um im Wettbewerb mit den reinen Onlinern zu bestehen. Die klassischen Vorzüge des stationären Handels – hohe Beratungsqualität und anfassbare Produkte – werden immer häufiger mit der Inszenierungen von Produkt- und Servicewelten am Point of Sale kombiniert, um dem Kunden eine auf ihn zugeschnittene persönliche „Experience“ zu bieten. Die Individualität des Shopping-Erlebnisses wie auch die forcierte Revitalisierung von Innenstädten als Handelslandschaft sorgt auch in Zukunft für ein anhaltend hohes Mobilitätsaufkommen.

Unsere Gesellschaft ist nicht nur hochgradig mobil, sie ist oft auch sprunghaft und ungeduldig geworden. Der immer mobilere Lebenswandel führt zu einem mobileren, situativen Konsum.

Getätigt wird er zunehmend an neuen, wachsenden Verkaufsorten, praktisch „im Vorbeigehen“. Es sind vor allem die Orte des Transits, die zum Shopping einladen. Tankstellen haben längst ihre Geschäftsstrategie umgestellt – hin zum Retail-Shop für die Nahversorgung rund um die Uhr. In dem Maße, wie die klassischen Knotenpunkte in der Verkehrsinfrastruktur zu Third Places werden, drängt dort der Handel immer stärker in den Vordergrund: Mobility Hubs wie Bahnhöfe, Flughäfen oder Hotels realisieren mit Shopping- und Gastronomieflächen inzwischen einen Großteil ihrer Erlöse. Das fördert die Verbindung von Unterwegssein und alltäglicher Versorgung.

Bild: Kiezkaufhaus