Im Jahr 2040 werden wir ein vielfältiges Spektrum an Mobilitätsstilen haben, mit jeweils unterschiedlichen Ansprüchen, Gewohnheiten und Notwendigkeiten. Allen gemeinsam ist, dass Mobilität mehr denn je ein menschliches Grundbedürfnis sein wird.

Zugleich wird es Menschen geben, die deutlich weniger mobil sind als der Bevölkerungsdurchschnitt. Dazu zählt beispielsweise die größer werdende Gruppe der Pflegebedürftigen in Deutschland, die von heute rund 3 Millionen auf knapp 4 Millionen im Jahr 2040 steigen wird. Auch der demografische Wandel ist eine unbestrittene Tatsache. Allerdings werden im Jahr 2040 nach aktuellen amtlichen Prognosen nur knapp 1,5 Millionen Menschen im Alter von über 90 Jahren leben. Das sind zwar rund doppelt so viele wie heute, aber immer noch weniger als 2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Auch wenn in diesem Alter die Einschränkungen der Mobilität zwar naturgemäß zunehmen, führt das in dieser Gruppe jedoch keineswegs zu einer allgemeinen Immobilität.

Gleichwohl müssen künftig die Rahmenbedingungen und Strukturen zweifellos so beschaffen sein, dass auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität – sei es aufgrund des Alters oder infolge von Behinderungen – umfassend am gesellschaftlichen Leben teilhaben und sich möglichst selbstbestimmt fortbewegen können.

Berechtigt ist allerdings die Frage, wie es sich beim Rest der Bevölkerung in puncto Mobilitätsreduktion verhält. Denn wenngleich Mobilität vielfach als Freiheit begriffen wird, stößt die Steigerung des Mobilitätsgrads an Grenzen. Hohe Flexibilität und permanentes Unterwegssein, die Verdichtung des Alltags und der Arbeitswoche werden von nicht wenigen Menschen auch als Belastung empfunden. Deshalb sucht gerade die hypermobile Gesellschaft nach Möglichkeiten der Entschleunigung.

Denn vor allem im Privatleben erlöst man sich von Zeitknappheit und Alltagsstress nicht durch noch mehr Effizienz und Speed. Die Steigerung der Lebensqualität wird mittlerweile vielfach mit der Devise verbunden: „Besser statt schneller“. Bei allen Vorteilen und neuen Freiheiten, die Modernisierung und Pluralisierung von Lebensmöglichkeiten mit sich bringen, sie führen auch zu einem enormen Zuwachs an gefühlter und tatsächlicher Komplexität. Das ist die Kehrseite der Multioptions-Gesellschaft: der Stress steigt.

Die zentrale Lebensknappheit ist nicht mehr der Mangel an Waren, sondern der Mangel an Zeit. Zeitwohlstand wird zur Luxuserfahrung, wertvoller als teure Produkte. Was zählt, sind Zeitautonomie, individuelles Wohlergehen und Lebensqualität. Daher werden die Werte in einer als extrem schnelllebig empfundenen Welt immer öfter hinterfragt.

Wir werden daher ein steigendes Bewusstsein für die Sinnhaftigkeit und den Nutzen umfassender Mobilität erleben. Die Notwendigkeit permanenten Unterwegsseins wird häufiger hinterfragt und Menschen werden auf temporäre Situationen mobiler Entschleunigung setzen. Dennoch: Nicht mobil zu sein, sich Mobilität weitgehend zu entziehen oder gar zu verweigern, ist kaum eine dauerhafte Option.