Eine Typologie der Mobilitätsgesellschaft von morgen

Der Megatrend Individualisierung sorgt für eine neue Vielfalt an Lebensstilen und biografischen Mustern. Prägender als soziodemografische Merkmale wie Alter, Geschlecht, Wohnort und verfügbares Einkommen werden die Lebensstile der Menschen und die Lebensphasen, in denen sie sich befinden. Sie bestimmen die vielfältigen Lebenswirklichkeiten, die wiederum entscheidend für das Mobilitätsverhalten sind.

Daher kommt man beim Blick auf die Mobilität von morgen nicht umhin, die individuellen Lebensstile und -situationen, persönlichen Einstellungen, Bedürfnisse, Alltagsanforderungen usw. von Menschen in die Betrachtung einzubeziehen.

Statt von „Biografien“ ist von „Multigrafien“ auszugehen: Lebensverläufe, die sich mit hoher Komplexität und sich abwechselnden Phasen und Brüchen vollziehen. Im Zeitalter der Multigrafie steigen die Mobilitätsanforderungen der Menschen. Sie lassen sich nicht mehr nur über einzelne, wenn auch spezialisierte Produkte befriedigen, sondern erfordern vielfältige Mobilitätsservices.

Lebenswelten prägen die Mobilität von morgen

Entlang der Lebensstile und Lebensphasen entstehen neue Mobilitätsmuster, die auf prototypische Art und Weise unsere mobile Gesellschaft im Jahr 2040 prägen werden. So lässt sich eine ganze Reihe verschiedener Mobilitätstypen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Ansprüchen identifizieren, die folglich auch verschiedene Ausprägungen des Mobilitätsverhaltens zeigen:

Mobile Innovators, Forever Youngsters, Silver Mover, Mobile Families, High-frequency Commuter, Globale Jetsetter, Low-Cost-Driver, Urbane Gutbürger und Public Traveler.

Diese Mobilitätstypen sind lebensphasenabhängig, das heißt, sie können abhängig von biografischen Situationen der Menschen variieren. Sie sind daher nicht statisch festgelegt etwa auf ein bestimmtes, vermeintlich fixes Milieu.

Die Mobilitätsstile bilden kein vollständiges, bevölkerungsrepräsentatives Bild der Gesellschaft im Jahr 2040 ab. Sie sind vielmehr Idealtypen einer Mobilitätsgesellschaft, die von Avantgarden (Innovatoren und Early Adopter) bis in den Mainstream hineinreichen und sich zum Teil überschneiden.

Ihre Bedeutung liegt nicht in ihrer quantitativen Verbreitung allein, die sich aus heutiger Sicht kaum beziffern lässt. Vielmehr ist die Wirkung entscheidend, die sie entfaltet. Ihr Impact resultiert aus dem Vorbild- und Ausstrahlungseffekt, den sie im Sinne der Nachahmung für die Marktdurchdringung haben. Es handelt sich also nicht um Minderheiten-Phänomene, sondern um mehrheitsfähige Mobilitätsstile, die eine Sogwirkung entfalten.

Wenn von „prägenden“ Mobilitätstypen gesprochen wird, ist damit nicht gemeint, dass sie zahlenmäßig Mehrheiten darstellen, sondern dass sie einen besonders wirkungsvollen Einfluss haben: Sie besitzen Zugkraft und haben Leitbildwirkung, sind prototypische Ausprägungen entscheidender lebensstilabhängiger Mobilitätsmuster, die den Weg in die Zukunft der Mobilität weisen.

VON DER BIOGRAFIE ZUR MULTIGRAFIE
Aus klassischen dreiphasigen Lebensläufen wird eine exible Lebensführung

Mobile Lifestyles 2040

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Bild: iStock

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Low-Cost-Driver: Mobilität intelligent und günstig

Mit der allmählichen Durchsetzung des postfossilen Zeitalters werden die Mobilitätskosten im Jahr 2040 deutlich unter den heutigen liegen. Nach Prognosen der Europäischen Kommission wird...

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Silver Mover: Mobiler Unruhezustand

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Forever Youngsters: Die jungen Alten

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Mobile Innovators: Besser unterwegs sein

Einer der prägendsten Mobilitätstypen im Jahr 2040 wird die Gruppe der Mobile Innovators sein. Als mobile Avantgarde übernehmen sie eine Vorreiterrolle auf den Mobilitätsmärkten....