Megatrends wie Individualisierung, Konnektivität, Urbanisierung und Neo-Ökologie bestimmen die Mobilität von morgen. Haupttreiber des Wandels sind die veränderten technischen Möglichkeiten und das Bedürfnis der Menschen nach anderen Formen der persönlichen Mobilität: vernetzt, digital, postfossil und geteilt. Der Wandel vollzieht sich langsam, er ist aber grundlegend und tiefgreifend. Was wir erleben, ist eine Evolution der Mobilität. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind gefordert, diese Entwicklung zu begleiten.

 

1. Digitale Vernetzung

Deutschland hat alle Chancen, Technologieführer einer vernetzten und digitalen Mobilitätswelt zu werden. Die digitale Vernetzung von Nutzern, Diensten, Fahrzeugen und Infrastruktur wird zum wichtigsten Treiber. Im Fokus der künftigen Mobilitätswelt steht die gesamte Mobilitätskette und nicht mehr nur einzelne Verkehrsträger und Verkehrsmittel. Die neue Mobilitätswelt verspricht einen besseren Service für die Nutzer, eine gute Erreichbarkeit, höhere Verkehrssicherheit, weniger Emissionen und Lärm, aber höhere Effizienz. Das Ziel muss sein, den Standort Deutschland heute für die Digitalisierung der Mobilität vorzubereiten. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

2. Multimodalität und smarte Mobilität

Die Grenzen zwischen öffentlichem und Individualverkehr verschwimmen. Die Anforderungen und die Bedürfnisse der Nutzer müssen im Mittelpunkt einer langfristigen Verkehrspolitik stehen. In Zukunft bestimmt vernetzte, inter- und multimodale Mobilität die Nachfrage. Es wird darum gehen, Mobilität entlang von Mobilitätsketten zu denken, zu organisieren und integrierte Mobilitätskonzepte anzubieten.

In den Städten und urbanen Regionen wird das Auto seine allein dominierende Stellung verlieren, wird aber im ländlichen Raum im Verbund mit einem neuen, intelligenten öffentlichen Nahverkehr weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Das Verhältnis zum Auto wandelt sich. „Nutzen statt besitzen“ wird zur neuen Devise. Es geht nicht mehr um Status-, sondern um smarte Mobilität. Deutschland muss hier weltweit eine Spitzenrolle einnehmen.

3. Mobilität für alle und überall

Neue Formen der Mobilität bieten etliche Chancen – insbesondere für den ländlichen Raum. Ein individualisierter und intelligenter öffentlicher Verkehr ermöglicht auch an den Rändern der Ballungsgebiete und im ländlichen Raum leistungsfähige Mobilität. Mobilität als gesamtgesellschaftliche Herausforderung heißt: Niemand muss zurückbleiben. Mobilität wird für alle bezahlbar. Langfristig setzt sich das autonome Fahren durch und wird als neue Technologie den Mobilitätsalltag bestimmen. Wenn Autos von künstlicher Intelligenz gelenkt werden, bleibt mehr Zeit für andere Tätigkeiten.

4. Mobiles Arbeiten

Die digitale Vernetzung macht Arbeiten zeit- und ortsunabhängig möglich. Mobiles Arbeiten wird für immer mehr Beschäftigte zur neuen Norm. Verkehrsmittel und -orte wie Bahnhöfe, Flughäfen und Hotels werden zum festen Bestandteil unserer Arbeits- und Lebenswelt. Die passenden Modelle und Technologien hierfür müssen entwickelt und gefördert werden. Eine verstärkt dezentrale Arbeitsorganisation wird zu einer Zunahme des berufsbedingten Pendlerverkehrs führen.

5. Stadt-Land-Mobilität

Neue Mobilitätsangebote (Carsharing, Leihradsysteme, Radverkehrsinfrastruktur) werden vor allem aufgrund des Pendleraufkommens im Umland der Städte und im ländlichen Raum benötigt. Hier entsteht eine neue Mobilitätsvielfalt. Über Pilotprojekte lassen sich Erfahrungen mit hybriden Mobilitätsangeboten im Zusammenspiel von individualisiertem öffentlichem Verkehr mit Pkw und öffentlichem Verkehr sammeln.

6. Daseinsvorsorge im ländlichen Raum

Die Gestaltung der Mobilität im ländlichen Raum bleibt eine zentrale politische Aufgabe. Der ländliche Raum braucht eine Qualitätssicherung und Garantie für ein öffentliches Mobilitätsangebot. Ohne eine Grundversorgung an Mobilität wird die Flucht in die Stadt weiter zunehmen.

7. Reisen und Tourismus

In einer zunehmend flexibleren und multi-lokalen Arbeitswelt ändern sich auch die Reisebedürfnisse. Der Tourismus wird zur kreativsten Möglichkeit von Mobilität. Der Wunsch nach Entschleunigung und achtsamer Mobilität in der Freizeit wächst. Die Folge ist eine Trendwende hin zu mehr Qualität und Zeit für Genuss. Deutschland wird mehr denn je zum attraktiven Zielort einer mobilen und globalen Erlebnisgesellschaft. Es werden mehr Menschen aus fremden Kulturen zu uns kommen. Auch für den ländlichen Raum bieten sich dadurch neue Chancen. Die Potenziale zu heben und den Tourismus intelligent zu entwickeln wird auch zur politischen Herausforderung.

8. Sicheres Reisen

Reisen prägt auch künftig das Mobilitätsbedürfnis und verbindet fremde Kulturen. Zugleich wird die Welt des Tourismus unsicherer. Die tatsächliche und die subjektiv wahrgenommene Sicherheit wird das Reise- und Mobilitätsverhalten in Zukunft bestimmen. Zur zentralen Aufgabe von Reiseveranstaltern, Mobilitätsdienstleistern und staatlichen Stellen wird die Frage, wohin und wie Menschen sicher verreisen können.

9. Sichere Daten

Der Datenaustausch zwischen Verkehrsteilnehmern, Fahrzeugen und der sie umgebenden Infrastruktur ermöglicht die nächste Stufe der Mobilität: Ein sich selbst steuerndes System der Echtzeit-Verkehrsplanung, der On-Demand-Verfügbarkeit und der reibungslosen Übergänge zwischen Transportmitteln. Voraussetzung für die gesellschaftliche Akzeptanz einer digital vernetzten Mobilität ist ein Höchstmaß an Datensicherheit. Datenschutz und Datensouveränität werden im Jahr 2040 zu selbstverständlichen Mindestanforderungen.

10. Neue Mobilität und Verbraucherpolitik

Die Bürger brauchen in einer unübersichtlicher werdenden Mobilitätswelt mehr Transparenz und eine unabhängige Bewertung der Angebote und Anbieter rund um Mobilität. Dafür wird eine neutrale, verlässliche, übergreifende digitale Mobilitätsplattform erforderlich sein, die Nutzer informiert und digital kompetent macht. Die neuen politischen Herausforderungen liegen in der wettbewerblichen Ermöglichung von Plattformen und ihrer Aufsicht, der Datenregelung (Zugang und Bereitstellung), Transparenz und der Verhinderung von Marktmissbrauch.

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